Martin, Roland: Illuminierte Urkunden im digitalen Zeitalter – Maßregeln und Chancen

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Illuminierte Urkunden, das heißt Urkunden, die figürlichen Schmuck oder mit Farbe aufgetragene Elemente enthalten, wurden schon im 19. Jahrhundert als Sonderfälle der Urkundenpraxis thematisiert. Trotz zahlreicher Einzelstudien verzeichnet kaum ein Urkundenbuch eventuell vorhandenen Buchschmuck. Das systematische Suchen von illuminierten Urkunden ist daher unmöglich. Dies ist aber nicht die einzige Schwierigkeit. Neben interessanten Einzelstücken, deren kulturhistorische Bedeutung unbestritten ist (die Hochzeitsurkunde der Theophanu ist sogar Weltkulturerbe), gibt es Gruppen wie kuriale Sammelablässe und Wappenbriefe, von denen auch heute noch (zumindest) hunderte Stücke erhalten sind. Während das aufwendige Suchen nach Belegen der ersten Gruppe notwendig und sinnvoll ist, wäre es bei Beispielen der zweiten Gruppe nicht zu verantworten. Welche Chancen bietet nun das digitale Zeitalter: Monasterium.net stellt 200.000 Urkunden im Netz zur Verfügung. Gebe ich den Suchbegriff „Initiale“ ein, erhalte ich 1480 Treffer, unter denen jedoch nur ein Bruchteil unsere Definition von illuminierten Urkunden entspricht. Digitalisieren alleine hilft also nicht wirklich weiter. Entsprechende Metadaten tun not. Wie man vorgehen könnte, habe ich an Beständen diverser Archive ausprobiert. Es werden Kategorien vorgestellt, in die auch ganz unbedarfte Dienstleister das Material grob sortieren können und dabei ist die Materialmasse durchaus – wenn natürlich nicht fehlerfrei – zu bewältigen. Eine ausführliche Beschreibung wäre natürlich eine tolle Sache. An ausgewählten Stücken habe ich auch das ausprobiert. Wer „kunsthistorische Beschreibung“ eingibt erhält etwa 30 Treffer, die jeweils eine entsprechende Bearbeitung durch mich erfahren haben. Dabei wurde probeweise versucht, ein möglichst standardisiertes Vokabular zu verwenden, Vorstudien zu Suchbegriffen, die eine differenziertere Suche ermöglichen und in einem weiteren Schritt vielleicht sogar eine datenbankmäßige Aufgliederung realisierbar machen könnten. Die Chance des digitalen Zeitalters ist die massenweise Verfügbarkeit von Abbildungen, zu befolgende Maßregeln sind durchdachte Kategorien und einheitliche Suchbegriffe.

Dr. Martin Roland
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Kommission für Schrift- und Buchwesen des Mittelalters
c/o Otto Pächt-Archiv
am Institut für Kunstgeschichte der Universität Wien

http://paecht-archiv.univie.ac.at

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