Hänchen, Michael:„Die Erschließung, Formalisierung und Auswertungsmöglichkeit digitaler Urkundencorpora mittels einer Datenbank.“

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Der Wege, digitale Urkundencorpora zu bearbeiten, gibt es viele. In meinem Referat möchte ich über deren Erschließung mittels einer Datenbank sprechen. Ein solches System ist hierbei als Werkzeug zu verstehen, welches über objektivierbare Felderfassung signifikante Urkundendaten und ‐inhalte aufzeichnet. Der Vorteil eines solchen Verfahrens ist es, dass das Digitalisat in formalisierte Datensätze transformiert wird und in weiteren Schritten verschiedenartig nach formellen und inhaltlichen Kriterien ausgewertet werden kann. Ziel der Datenbankerfassung ist die Konzentration großer Bestände verschiedenster Provenienz, um Aufschlüsse über die „Form der Verschriftlichung von Recht“ zu erhalten – hier explizit im Fokus auf Memorialstiftungen gegenüber Klöstern (personelle Hoheitsakte). Die Formalisierung der Urkundenfaksimiles erfolgt dabei auf unterschiedlichen Ebenen und stellt sowohl die Form der Urkunde, involvierte Personen und korporative Gruppen sowie den Rechtsinhalt in den Mittelpunkt. Erfasst werden neben den Metadaten (Datum, Ort, Regest, Signaturen und Editionen etc.) die äußeren (Siegel, Siegelanbringung, Beschreibstoff, Format etc.) und inneren (Schrift, Sprache, Arenga, Ausstattung, Zeugen, Datierung, Dorsualnotiz etc.) Merkmale von Urkunden. Auf weiteren formalen Erfassungsebenen wird das Kloster als Empfänger mit geographischen, politischen und rechtsverbindlichen Parametern aufgenommen und die stiftende Person oder Gruppe präzisiert (Name, Rang, Geschlecht, Raum usw.). Es folgen inhaltliche Kriterien zum Stiftungsgegenstand, welche über das Datenbanksystem in mehreren Stufen verschiedene Abfragetiefen (von
beweglichem Gut/unbeweglichem Gut hin zu präzisen Güterangaben oder Privilegien) erlauben. Der Stiftung gegenüber steht in einem letzten Erfassungsschritt die Aufnahme der durch den Stifter erwarteten Handlungen zum liturgischen Gedenken und Auflagen durch den Stifter oder auch den Stiftungsempfänger. Mittels dieser formalisierten Erschließung von digitalen Urkundenbeständen lassen sich auf quantitativer Ebene Fragestellungen zum Stiftungsverhalten differenzierter sozialer Schichten, deren spirituelle Erwartungen und materiellen Einsätze im Kontext sozio‐kultureller Umstände/Wandlungen, historischer Ereignisse, Zeiträume und geographische Räume analysieren sowie komparative Such‐ und Auswertungskriterien entwickeln und anwenden. Bedeuten die digitalen Corpora eine erste Vereinfachung des Zugriffs auf Urkunden (zeit‐ und raumauflösend), so bietet eine Erschließung mittels Datenbanken einen wichtigen Formalisierungsschritt um letztendlich noch schneller große Bestände auf die der jeweiligen Studie angepassten Schlagworte hin
untersuchen zu können.

Michael Hänchen M.A.
Forschungsstelle für Vergleichende Ordensgeschichte
(FOVOG Dresden)
eMail: Michael.Haenchen@tu-dresden.de

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