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Workshop "Urkunden-DTD", München 5.-6. April 2004

Die Ergebnisse des Workshops sind eingeflossen in die Charters Encoding Initiative.


1 Inhalt

1.1 Kurzfassung

Die vom Lehrstuhl für Geschichtliche Hilfswissenschaften in Zusammenarbeit mit der Kommission zur Bearbeitung der Regesta imperii e.V. (Arbeitsstelle Akademie der Wissenschaften Mainz) und der Archivschule Marburg organisierte Tagung soll das Bedürfnis von Urkundenforschern der Geschichtswissenschaft, der Germanistischen Mediävistik, von Archivaren und von Bibliothekaren befriedigen die wissenschaftlichen Erschließungsstandards für mittelalterliche Urkunden in die digitale Welt zu überführen. Zu diesem Zweck wird sie existente Urkunden-DTDs in Abgrenzung zu einem Vorschlag diskutieren, der in einem vorbereitenden Treffen im Herbst in der Archivschule Marburg und dann per Mail entwickelt wird. Ziel der Tagung ist es, in einem kleinen Kreis einen gemeinsamen Vorschlag für eine Urkunden-DTD zu verabschieden.

1.2 Exposé

Das Medium Internet bietet sich besonders an, Dokumente der Wissenschaft leicht zugänglich zu machen. Das liegt nicht nur an der sehr guten technischen Infrastruktur, die in den akademischen Einrichtungen vorhanden ist, sondern an der Eigenart der Wissenschaften -- und dabei nicht zuletzt der Geschichtswissenschaft. Mittelalterliche Urkunden sind z.B. ein sehr internationales Forschungsfeld, wie das Spektrum der Herkunftsländer der Mitglieder der CID (Comission Interanationale de Diplomatique) eindrucksvoll belegt. Das Internet ist in seiner weltweiten Verfügbarkeit ein geeignetes Kommunikationsmedium für den internationalen Wissenschaftszweig der Diplomatik. Darüber hinaus zeigen jedoch die schon sehr frühen Bemühungen[1] gerade von Diplomatikern um den sinnvollen Einsatz von EDV für die geisteswissenschaftliche Forschung, daß der Computer nicht nur als Kommunikationsmittel sondern auch als wissenschaftliches Arbeitsinstrument seinen Platz in der traditionsreichen Wissenschaft von den Urkunden hat.

Die Tagung setzt an beiden Entwicklungssträngen an. Sie will die internationalen Urkundenwissenschaftler zusammenbringen, den Austausch zwischen den einzelnen Projekten erleichtern und ein sinnvolles gemeinsames Arbeitsinstrument schaffen, das nicht nur für weitere Urkundenforschungen sondern auch für die Einrichtungen, die sich mit Urkunden beschäftigen, Nutzen bringt. Durch die digitale Präsentation beginnt nämlich der Unterschied zwischen archivischer Erschließung und Angebot zur Nutzung und wissenschaftliche Aufbereitung der Urkunden in Regesten und Editionen zu verschwimmen. Ein gemeinsames technisches Fundament kann Synergien in der Zusammenarbeit zwischen Archiven und Geschichtswissenschaft freisetzen. Die Archivschule Marburg ist deshalb an der Konzeption der Tagung beteiligt und beabsichtigt, die Ergebnisse in das Lehrprogramm soweit möglich zu integrieren.

Neben diesen schon älteren Verbindungen ist das Interesse am Material und damit der Bedarf für sinnvolle digitale Präsentation auch in anderen Wissenschaften -- insbesondere der germanistischen Sprachwissenschaft und der lateinischen Philologie des Mittelalters -- und bei den Bibliotheken als Einrichtungen zur Bereitstellung wissenschaftlicher Erkenntnisse groß. So ist engagiert sich das Digitalisierungszentrum der Bayerischen Staatsbibliothek für die Tagung, um die Ergebnisse direkt in die laufenden Projekte (Digitalisierung der Regesta imperii, Fortsetzung der eMGH) einzubinden.

Die Tagung versammelt deshalb alle Fachleute aus Archivwesen, Fachwissenschaften und Bibliothekswesen, die sich derzeit mit Projekten befassen, die auf dem sich abzeichnenden technischen Internetstandard XML fußen. Sie will Gelegenheit geben, die spezifischen Überlegungen dieser Projekte vorzustellen und dann in konzentrierter Arbeit zu einem Vorschlag für eine gemeinsame Document Type Definition zu kommen. Die in Vorbereitung zur Tagung grob zu entwerfende DTD wird sowohl die in den Projekten vorhandenen Ansätze zu integrieren haben als auch vorhandene Standards wie insbesondere den der TEI. Die Tagung kann dabei aufbauen auf den Ergebnissen einer Fortbildungsmaßnahme der Archivschule Marburg im Herbst 2003.

Es ist zu hoffen, daß sich die so international abgestimmte DTD verbreitet, so daß mit Hilfe der gemeinsamen digitalen Erschließungsform Überlegungen zu einer Suchmaschine über internationale Urkundenbestände näherrücken, welche einen wichtigen Teil des gemeineuropäischen Erbes aus dem Mittelalter zusammenführen wird.

2 Teilnehmer

2.1 Mitarbeit am DTD-Entwurf

  1. Michele Ansani
    Università degli studi di Pavia
  2. Patrick Sahle
    HKI Köln
  3. Bernhard Assmann
    HKI Köln
  4. Karsten Uhde
    Archivschule Marburg
  5. Gautier Poupeau, Olivier Guyotjeannin, M. Smith
    Écoles des Chartes, Paris
  6. Georg Vogeler
    LMU
  7. Andrea Rapp/Andreas Gniffke
    SUB Göttingen/Universität Trier
  8. Andreas Kuczera
    Gemeinschaftsprojekt Regesta imperii
  9. Michael Gervers/Michael Margolin
    Univ. Toronto
  10. Christian-Emil Ore
    The Documentation Project, Oslo
  11. Manfred Thaller
    HKI Köln
    (Technische Beratung, Moderation)

Allgemeine Öffentlichkeit

Teile der Veranstaltung stehen dem allgemeinen Publikum offen. Wir freuen uns auf Anmeldungen bei Dr. Georg Vogeler

3 Tagungssprache

Englisch und deutsch.

Die Tagung soll von Dolmetschern begleitet werden, welche die deutschen, italienischen und französischen Beiträge ins Englische übersetzen.

4 Tagungsort

LMU - Historicum

5 Programm

5.1 Termin

5./6. April 2004

5.2 Ablaufplan

5.4.

9-13 Uhr

Öffentlich:

  • Dr. Karsten UHDE (Instit. f. Archivwissenschaft, Marburg): Vorüberlegungen zu einer DTD zur Beschreibung von Urkunden aus archivischer Sicht.
  • Prof. Dr. Michele ANSANI (Univ. Pavia): XML ed il Codice Diplomatico della Lombardia Medievale
  • Dr. Georg VOGELER (Univ. München): Bayerische Traditionsbücher digital
  • Prof. Dr. Michael GERVERS/Michael MARGOLIN (Toronto): The DEEDS Project: Towards an Application of XML in Content Analyses of Medieval Charters
  • Dr. Andreas KUCZERA (Mainz): XML bei der Retrodigitalisierung der Regesta-Imperii
  • Christian-Emil ORE (Oslo): The electronic Norwegian medieval charters - practical experiences based on the building of an XML based document archive based on hetrogenous sources
  • Dr. Andrea RAPP (Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen) / Andreas Gniffke (Univ. Trier): Erschließungsverfahren in Retrodigitalisierungsprojekten. Markup-Strategien für das 'Corpus der altdeutschen Originalurkunden'.
  • Gautier POUPEAU/Sylvie FAYET (École des Chartes, Paris): Réflexions sur l'utilisation de la TEI pour coder les sources diplomatiques.
  • Bernhard ASSMANN/Patrick SAHLE, M.A. (Inst. f. historisch-kulturwissenchaftliche Informationsverarbeitung, Köln): Die Verarbeitung einer retrodigitalisierten Urkunden

Â

14-18 Uhr

Klausur: Vorstellung des DTD-Entwurfs mit Kommentar

6.4.

9-13 Uhr

Klausur: Diskussion der Verbesserungsvorschläge und Abstimmung

14-15 Uhr

öffentliche Vorstellung der Ergebnisse

6 Publikation

Die Ergebnisse der Tagung sollen zunächst über das Internet publiziert werden. Über einen Druck ausführliche Berichte stehen die Organisatoren mit den Herausgebern des hilfswissenschaftlichen Fachorgans "Archiv für Diplomatik" in Verhandlung.

7 Kooperationspartner

An der Vorbereitung der Tagung sind beteiligt:

Archivschule Marburg

Deutsche Kommission für die Bearbeitung der Regesta Imperii e.V. bei der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz

Finanzielle Unterstützung

Gerda-Henkel-Stiftung

Münchener Universitätsgesellschaft e.V.

Archivschule Marburg

Deutsche Kommission für die Bearbeitung der Regesta Imperii e.V. bei der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz

Verhandlungen mit:
Verein der Ehemaligen, Förderer und Freunde des Historischen Seminars


[1] Die hier aufgelisteten Titel sind nur ein Auszug der immer stärker wachsenden Literatur: Karsten Uhde: Urkunden im Internet; Neue Präsentationsformen alter Archivalien. In: Archiv für Diplomatik 45 (1999), S. 441-464.; Michele Ansani: Diplomatica (e diplomatisti) nellÂ’arena digitale. In: Archivio Storico Italiano 158 (2000), S. 349-379 (auch in: Scrineum 1 (1999), S. 1-11, online: http://www.storia.unifi.it/asidspt/ASI/Testi_online/ansani.htm).; Heide Dienst: Traditionsbücher. Editionsprobleme, Inhaltsanalysen und EDV-Einsatz am Beispiel der Klosterneuburger Traditionen. In: Datennetze für die Historischen Wissenschaften? Graz 1987, S. 51-62.; Georges Declercq, Philippe Demonty, Katrien Naessens und Guy Trifin: L'informatisation de la 'Table chronologique' d'A. Wauters. Méthodologie du nouveau répertoire des documents diplomatiques belges antérieurs à 1200. In: Bulletin de la Commission Royale d'Histoire 153 (1987), S. 223-302.; Michael Gervers: The DEEDS Database of Mediaeval Charters: Design and Coding for the RDBMS Oracle 5, In: History & Computing 2/1 (1990), S. 1-11; Michael Gervers: The DEEDS Project and the Development of a Computerized Methodology for Dating Undated English Private Charters of the Twelfth and Thirteenth Centuries und Fiallos, Rodolfo: An Overview of the Process of Dating Undated Medieval Charters: Latest Results and Future Developments, In: Dating Undated Medieval Charters, hg. v. Michael Gervers, Woodbridge 2000, S. 13-50.; Annegret Fiebig: Urkundentext. Computergestützte Auswertung deutschsprachiger Urkunden der Kuenringer auf Basis der eXtensible Markup Language (XML). Schriften zur südwestdeutschen Landeskunde Bd. 33. Leinfelden-Echterdingen 2000. Andrea Rapp: Computergestützte Verfahren zur Erfassung, Katalogisierung, Bearbeitung und Edition mittelfränkischer Urkunden des 13. und 14. Jahrhunderts. In: Maschinelle Verarbeitung altdeutscher Texte V. Beiträge zum Fünften Internationalen Symposium Würzburg 4.; 6. März 1997. Hg. von Stephan Moser, Peter Stahl, Werner Wegstein und Norbert Richard Wolf. Tübingen 2001, S. 247-247-261. Andrea Rapp: Die elektronische Edition, Erschließung und Vernetzung des Trierer Korpus mittelfränkischer Urkunden des 14. Jahrhunderts. In: Jahrbuch für Computerphilologie, hg. von Georg Braungart, Karl Eibl und Fotis Jannidis. Paderborn 2000, S. 147-161. Andrea Rapp: Die elektronische Edition, Erschließung und Vernetzung historischer Quellen und Grundlagenwerke. Das Trierer Korpus mittelfränkischer Urkunden des 14. Jahrhunderts. In: TUSTEP educa. Actas de congreso des Internationals Tustep User Group. Penaranda de Duero (Burgos) Octubre 1999. Hg. von Nicólas Castrillo Benito und Peter Stahl. Burgos 2001, S. 99-123. Stuart Jenks: KISS (Keep It Simple, Stupid) . Elektronische Quelleneditionen mit einfachsten Mitteln, in: Quellen und Quellenedition im neuen Medienzeitalter, hg. v. Stuart Jenks und Felicitas Schmieder, Göttingen 2002 (Fundus; Forum für Geschichte und Ihre Quellen 2) , S. 33-43 (online: http://webdoc.sub.gwdg.de/edoc/p/fundus/html/heft_2.html); Patrick Sahle, Thorsten Schaßan: Das Hansische Urkundenbuch in der digitalen Welt. Vom Druckwerk zum offenen Quellenrepertorium. In: Hansische Geschichtsblätter 118 (2000), S. 133-155 (siehe auch die weitere Dokumentation dazu: http://www.hki.uni-koeln.de/projekte/hub/inhalt.htm); Patrick Sahle: Vom editorischen Fachwissen zur digitalen Edition. Der Editionsprozeß zwischen Quellenbeschreibung und Benutzeroberfläche. In: Fundus; Forum für Geschichte und Ihre Quellen 2 (2000), S. 75-102. (online: http://webdoc.sub.gwdg.de/edoc/p/fundus/html/heft_2.html). Gemeint sind die insgesamt fünf Beiträge zur Analyse von Urkunden mittels Datenbanken im Sammelband "Resourcing Sources", hg. von K.S.B. Keats-Rohan, Oxford 2002. Im einzelnen: La base de donées 'Cartulaires' de la section de diplomatique de l'Institut de recherche et d'histoire des textes (Orléans) et l'enterprise du Répertoire des Cartulaires Français (Paul Bertrand, S. 145-152); La base de donées des chartes originales antérieures à 1121 conservées en France (Benoît-Michel Tock, S. 153-163); Identifying irregularities and establishing chronology in medieval charters (Michael Gervers, S. 164-178); Dating charters using textual evidence (Amanda Spencer, S. 179-194); Changing legal terminology in dated private documents in England in the twelfth and thirteenth centuries: a case study -- quitclaims (Ã�gnes Juhász-Ormsby, S. 195ff).

Ergänzend sei auf jeden Fall noch auf die elektronischen Ressourcen hingewiesen, die nachgewiesen sind in der Virtual Library Geschichtliche Hilfswissenschaften -- Rubrik Diplomatik (http://www.vl-ghw.uni-muenchen.de/diplomatik.html).

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